Leonce und Lena: Presse.

„Rudolph stellt mit dem prinzlichen Paar zwei junge Menschen auf die Bühne, denen das eigenständige Streben und Fühlen abhanden gekommen ist. Sie sind nicht mehr fähig, wirklich zu lieben oder zu hassen. Büchner begründet dieses Unvermögen eher philosophisch-gesellschaftlich. Rudolph fügt dem weitere Dimensionen hinzu: Allgegenwart der Medien, Gewalt, Drogen. Schon der Autor arbeitete 1836 zeitgenössische Zitate ins Stück ein. Dem Vorbild ist der Regisseur gefolgt […] Dennoch präsentiert sich das Ergebnis nicht als Flickenteppich sondern als Stück wie aus einem Guss. Die neuen Facetten decken den Text nicht zu, sie erhellen ihn als Schlaglichter. Rudolph ist eine aufregende Inszenierung voller Witz und Traurigkeit gelungen – mit einem Leonce-Darsteller, der nicht nur als riesiges Konterfei im Hintergrund überragend wirkt.“
(Mainzer Rhein-Zeitung, 30.3.09)


„Es ist ein starkes, wenngleich zurückgenommenes Ensemble, das da in Mainz auf der TiC-Bühne agiert. Glaubwürdig, nah am Publikum und mit einer fast unangenehmen Offenheit füllen vor allem Piloty als Leonce und Mühlen als Valerio ihre Rollen. Die Damen bleiben dahinter zurück, Rudolph aber damit letztlich Büchner treu; sei König Peter dagegen wächst als vertrottelter, doch determinierter Monarch über die Vorlage hinaus, die beste Leistung bringt indes Johanna Paliatsou auf die Bühne – und das nicht nur, weil sie in eine Vielzahl von Rollen (unter anderem Leonces Geliebte) schlüpft. Mit ihrer personifizierte Darstellung des gemeinen, unterdrückten Volkes, die darin gipfelt, dass sie Valerios auf offener Bühne abgefüllten Urin austrinkt, verleiht sie ihren Figuren ein klein wenig Würde, obgleich sie freilich keine Antwort parat hat auf die dringlichste Frage, die ihre Figuren aufwerfen – warum bleibt der Hund bei dem Herrchen, das ihn tritt.

Ein wenig ist sie damit der rote Faden in einem Stück, das Zustände abbildet und Fragen aufwirft, ohne dabei Antworten zu finden oder Lösungen zu präsentieren. Man kann also Rudolph zweifellos den Vorwurf machen, dass es ihm offenbar an Mut fehlte, mit seiner Inszenierung eindeutig Position zu beziehen – das träfe dann allerdings auch auf Büchners Vorlage zu. Zudem verhehlt die Inszenierung niemals ihre Ratlosigkeit über die Entwicklung, die sie abbildet. Vielmehr gibt sie diese durchaus bewusst an den Zuschauer weiter – der schließlich seine eigenen Antworten finden muss.“

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